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INSTANDBESETZUNG IST EINE KUNST
 
04.- 08. MAI 2022

Jubiläums-Ausstellung
Kapitel I der Villa Schilla (1981)

                                      Die Ausstellung zeigte zum Stichwort „FREITAG, der DREIZEHNTE…“ neben Presse- und anderen Dokumenten auch eigene Dokumentarfotos sowie SW-Fotos des Fotografen Peter Hebler, der am 14. Februar 1981 vor und in unserem Haus fotografierte, auch den Besuch des damaligen Fraktionsvorsitzenden der CDU im Abgeordnetenhaus, Eberhard Diepgen, einen Tag nach der Zerstörung von drei Wohnungen durch den illegalen Abbruch-Einsatz der Firma Mokri & Losch, den danach niemand in Auftrag gegeben haben wollte. Außer E. Diepgen kamen auch Politiker aus SPD und FDP mit Blumen oder auch mit Kohlen im Haus vorbei: es war kalt in diesem Februar und - es war Wahlkampf.

Den anderen Schwerpunkt der Ausstellung bildete die damals unter Mitwirkung von rund 80 Bildenden Künstlerinnen und Künstlern von uns realisierte Ausstellung (26.02. bis 08.03.1981) „INSTANDBESETZUNG IST EINE KUNST“ mit Malerei, Grafik, Plastik, Installation, die in der West-Berliner Öffentlichkeit viel Beachtung fand und wesentlich zur Rettung des Hauses vor dem Abriss beitrug. Gehörte doch das Haus damals dem Sanierungsträger MAREAL, einem Unternehmen von Erich Marx, Kunstsammler und Grundstocklieferant für das Berliner „Museum für Gegenwart“, den Hamburger Bahnhof. Einer der vier bekanntesten Künstler seiner Sammlung war Joseph Beuys, der sich wiederum an unserer Ausstellung mit Grafiken „Für die Hausbesetzer“ beteiligte. Zu sehen waren Dokumentarfotos von der Ausstellung, Originale und Kopien von damaligen Exponaten.

Am Eröffnungsabend standen  zu Beginn gelesene Texte auf dem Programm, u.a. von Benno Meyer-Wehlack und von Matthias Koeppel („Starckdeutsch“ gelesen von ihm selbst - der Maler Matthias Koeppel las schon 1981 bei uns und stellte mit aus). 
Im Beiprogramm wurden zwei Filme des Dokumentarfilmers Eckart Lottmann über die Hausbesetzer-Szene in West-Berlin 1981 gezeigt („Häuser, Hass und Straßenkampf“, 2006, ca. 45 Min., ein Rückblick 25 Jahre später und „Der Traum vom rechtsfreien Raum“, 1994, ca. 75 Min., ein Film über 6 Personen, die 1980/81 Häuser besetzt hatten).


Eröffnung vorm Haus mit originalen und rekonstruierten Transparenten von 1981
Fotos und Kontaktbogen zeigen Momentaufnahmen von einer Pressekonferenz der Hausgemeinschaft vom 28.2.1981 anlässlich der Eröffnung der Ausstellung mit Versteigerung im teilzerstörten Haus. Informiert wurde zum Überfall durch den Abriss-Trupp am 13.2., zur Ausstellung und zu den weiteren Instandbesetzungsplänen

HBJonas, Bemaltes Türblatt 1981


Plakat zur damaligen Ausstellung “Instandbesetzung ist eine Kunst” von HB Jonas und Liese Petry. Über 80 Künstler*innen aus West-Berlin und der BRD beteiligten sich an der Ausstellung 1981 um ihre Unterstützung für den Erhalt des Hauses zu demonstrieren
Hausfassade 1981 - zu erkennen sind 11 zerstörte Fenster, die notdürftig mit Plastikplanen gegen Wind und Wetter abgedeckt wurden




Liese Petry, Hommage Anton Weigel, Zollstock, Schrank-Fragment, Abreißkalender, Kaseinfarbe u.a., 1981/89


HBJonas, LIEBER EIN VOLLES HAUS, Mischtechnik/Pappe, 1981/2022


Detail aus der Ausstellung zeigt Fotos, die die gewaltsame Zerstörung von Dielenböden, Fenstern und Innentüren durch einen Abriss-Trupp am Freitag, den 13.2.1981 dokumentieren
HBJonas, DREH DEN SPIESS UM, Mischtechnik/Packpapier, Februar 1981
Liese Petry, Blick in den Hinterhof, 1981



Hausfassade mit Transparenten 2022 und 1981

Klaus Hohlfeld (Bildgestaltung) und Benno Meyer-Wehlack (Text), Linolschnitt, 1981

Mein Vater wohnte nach dem Weltkrieg 18 in der Krummen Straße als Werkstudent. In der Straße neben der Oper lernte ich Ziehharmonika, bis die Bomben nach 43 dichter fielen. In der Schillerstraße unten gingen wir zur Schule, weil unsere ausgebombt war. In der Wilmersdorfer hier enttrümmerten wir nach der Währungsreform im Notstandsprogramm die zerstörten Häuser. Auf dem Karl August Platz die Reihe der Fischstände des Markts und kein Geld. In der Weimarer wohnte der Magaziner Max vom Bau, der einen ausruhen ließ in seiner geheizten Bude. In dieser Straße hier, ein Stück weiter oben, links über dem Bierorden Manuelas Wohnung, in die sie Irena und mich aufnahm, als wir auf der Straße standen. An dem Haus, in der Schillerstraße 32, kam ich vorbei fünfzehn Jahre lang, tags, abends, nachts, der versetzte Fußweg zwischen Mommsen und Otto Suhr, hin und zurück, zu Freunden dort, zum Vorlesen, Essen, Sprechen, sich einander aushelfen mit ein paar Mark. Und einmal der Hund nachts, der entlaufene, junge, verjagte, schmutzige, der mitging, nicht abließ davon. In der Krummen gegenüber von der Kirche schrieb Richard den “Mord am Lietzensee”. In der Sesenheimer wohnte Inga. Wohnt Michael. Der die Wildnis Gleisdreieck zu retten versucht.
An die Spitzhacke und an die Abrißkugel:

Mensch, lasst das doch! Macht doch nicht wieder alles kaputt.