VILLA SCHILLA . die leute . das haus . 1899 erbaut . kein abriss! .


LIEBER EIN VOLLES HAUS ALS EINE LEERE BAUGRUBE!

1981
Das fünfstöckige Haus in der Schillerstraße 32 in Berlin-Charlottenburg wurde 1899 gebaut.
Ursprünglich gehörten zum Wohnhaus auch drei Läden im Erdgeschoss sowie kleinere Werkstatt- und Garagengebäude im Hinterhof. Die für die Gründerzeit typisch verzierte Stuckfassade mit schmiedeeisernen Balkongeländern und die großzügigen Wohnungen mit ihren hohen Stuckdecken verfielen jedoch zunehmend. Die Fassade wies noch bis 1986 sowohl Einschuss-Spuren aus dem 2. Weltkrieg als auch komplett freigelegte Ziegelsteinflächen ohne Putz auf. Auch in den Wohnungen wurden in diesem Zeitraum nur die notwendigsten Instandhaltungsarbeiten ausgeführt, weil man längst vom Abriss des Hauses ausging.


Es gab in der 2. Hälfte des 20. Jh. verschiedene Planungen, das Haus Schillerstr. 32 abzureißen, u.a., um dort ein Parkhaus zu errichten. In den 1970er Jahren plante das Bezirksamt zusammen mit einem Sanierungsträger den Abriss der entmieteten Wohnhäuser im Sanierungsgebiet Block 177 und den Neubau von Wohngebäuden.
Konkret beabsichtigte Dr. Erich Marx mit seiner Sanierungsgesellschaft MAREAL zumindest die Häuser Krumme Str. 27 und 28 und Schillerstr. 32 abzureißen und die Grundstücke neu zu bebauen - gefördert vom Land Berlin. Erich Marx trat 1982 auch als Kunstsammler an die Öffentlichkeit (s. Museum für Gegenwart, Hamburger Bahnhof Berlin).



Die Wohnhäuser Krumme Str. 27 und 28 (ebenfalls im Besitz von E. Marx) waren 1980 bereits entmietet und gezielt verwüstet worden

Ein kaputter Fußboden und eine zerstörte Türschwelle mit offengelegter Schüttung sind u.a. das Resultat der mutwilligen Zerstörung dreier Wohnungen am 13. Februar 1981 durch einen Abriss-Trupp in der Schillerstr. 32. 


1981
„Lieber instandbesetzen als kaputtbesitzen!“

1980 begannen v.a. im Westberliner Bezirk Kreuzberg Hausbesetzer - oft mit Erfolg -, Häuser instandzusetzen und vor dem Abriss zu retten. Sie richteten sich gegen die Praxis der Kahlschlagsanierung, das Abreißen ganzer, noch intakter Straßenzüge, bis 1980 die von Politik und Bauwirtschaft ohne Diskussion gewollte und realisierte Praxis. Im März 1981 gab es in Westberlin bereits über 100 besetzte Häuser.



1981 
„Instandbesetzung ist eine Kunst“

Gegen Leerstand und gegen Spekulation mit Wohnraum, für Wohnen und Arbeiten von Bildenden Künstlern und Künstlerinnen im Haus Schillerstr. 32 machten wir Instandbesetzer der VILLA SCHILLA uns 1981 stark.

Unterstützt wurden wir von der Westberliner Hausbesetzerszene und von rund 80 weiteren sympathisierenden Bildenden Künstlerinnen und Künstlern, die großzügig ihre Werke zur Ausstellung “Instandbesetzung ist eine Kunst” in unser zum großen Teil entmietetes und teils mutwillig durch einen illegalen Abriss-Trupp zerstörtes Haus gaben. Zusammen mit unserem Ausstellungs-Publikum, Presse, Radio, Fernsehen erreichten wir für unsere Sache viel Öffentlichkeit und schließlich Erfolg bei Politik und Behörden.


Zwischen 1986 und 1988 konnten wir das Haus endlich in Selbsthilfe umfassend sanieren und modernisieren, gefördert durch das Land Berlin. 


1981 

2022 
Villa Schilla e.V. heute

Im Zuge der Legalisierung und um die geplante Instandsetzung des Hauses realisieren zu können, wurde 1981 der Verein Villa Schilla  gegründet. Der Verein ist seitdem damit beauftragt, das Haus zu verwalten, Wohn- und Arbeitsräume für KünstlerInnen und deren Familien zu schaffen und kulturelle und künstlerische Veranstaltungen zu realisieren.

Heute ist die Villa Schilla das Zuhause von 17 BewohnerInnen im Alter von 3 bis 91 Jahre, von denen viele in den Bereichen Kunst, Design, Musik und Bildung tätig sind. Es gibt einen Gemeinschaftkeller, der als Werkstatt und Filmraum genutzt wird und einen großzügigen Garten im ehemaligen Hinterhof, der gemeinsam bewirtschaftet wird.

Regelmäßige Ausstellungen in der Durchfahrt mit Lesungen und Filmvorführungen laden interessierte BesucherInnen ein. An einem Bücherregal am Hauseingang können Bücher aus zweiter Hand getauscht werden. Eine Gruppe von BewohnerInnen engagiert sich bei der Bewässerung der Bäume in der Straße während heißer Trockenphasen im Sommer.

Alle unsere Aktivitäten sind selbstfinanziert und basieren auf Spenden.